
…und sehr sehr glückmich verfinden sie die welt neu bis zur applausenden toberei…
Johanna ist allein zu Hause, ihre Mutter kommt erst später aus der Firma. Früher ist an solchen Nachmittagen die Grosstante Ada bei ihr gewesen. Und hat ihr eine Geschichte erzählt. Johanna erinnert sich: «Es waren einmal zwei Königinnen…»
Ein Vorlesebuch über Kinderangst allein zu Haus, Märchen einmal anders und die hohe Kunst des FRAU*lenzens.
Text: Lilly Axster
«Fraulenzen» geht zurück auf den Text «Über das Fraulenzen» von Luise F. Pusch, in: Luise F. Pusch, Alle Menschen werden Schwestern. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1990
Das gleichnamige Theaterstück von Lilly Axster ist im Verlag der Autoren, Frankfurt/Main erschienen.
«Wenn ich gross bin, will ich frau*lenzen»
Illustration: Christine Aebi
Text: Lilly Axster
Typografie / Grafik: Louis Hofbauer
Fotos: Studio Kail, Wien
Druck: Rema Print, Wien
Verlag: Empirie, Wien 2003
Format: 21x30cm, 48 Seiten, Hardcover
ISBN: 3-902227-22-2
Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2004
Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2003











es waren einmal zwei königinnen, königin c und königin d. königin c ist morgens immer als erste wach und zieht sich an: königinnenliche goldsocken, schwestliche schuhe, die hose gürtlichern, drüber hemdeln, ärmeligst, fertig los. dann geht sie süssmichkeiten einraufen und weckert königin d auf. gemeinsam stücken sie die früh auseinander, lesen eine zeitsprung mit bleilage und geniessen die honigliche becherei. (...)


«Spieglein Spieglein an der Wand was ist heute los im ganzen Land?» fragt die Königin der Macht ihren Spiegel.
«Nichts besonderes, Frau Königin, so wahr ich der alles sehende Spiegel bin.»
«Aber irgendwas muss doch los sein.»
Der Spiegel seufzt. «Es ist nichts los, was habt ihr bloss, nur in der Bergstrasse 7, das ist irgendwo da drüben, Telefon 312 17 44, gibt es zwei Königinnen, die - »
«Was?! Zwei Königinnen?» Die Königin der Macht horcht auf. «Wer sind die Königinnen? Woher kommen sie?»
«Keine Ahnung», antwortet der Spiegel, «sie fraulenzen.» (...)
Johanna ist sich nicht sicher, ob da etwas an der Wohnungstür war. Hallo? Hallo?! Nichts. Ohne Ada werden diese Nachmittage so lang, bis jemand nach Hause kommt. Plötzlich läutet es an der Tür. Wer kann das sein? Es läutet wieder. Johanna hält sich an ihrer Puppe fest. Da hat jemand geläutet. Ich bin nicht zuhause. Hallo? Hallo? Wer ist das? Sonst läutet es nie um diese Zeit. Johannas Herz schlägt so laut, dass sicher die ganze Bergstrasse hören kann, dass hier jemand zu Hause ist.

«Quiek.»
«Was?»
«Quak.»
«Achso.»
Die alten Frösche sind nervös. (...)


«ich will hier raus aus unserem pralast, ich will draussen herumnormalisieren, rüschenlos umherdreckern, in eine firma gehen und einen feierlichen abend haben, wie alle», räupelt königin c.
«wir können nicht graus», entgegnet königin d, «dort sind hauptschwächlich normale leute, kerzengerade heuteleute.»
«na wund? niemand kann uns einsparen in unser absperrliches weich.»
«willst du berühmlich prominentern? wir sind königinnenlich eingeschlosst, verriss das nicht.» (...)

Die sehr sprachkreativ erzählte und farbenfroh illustrierte Geschichte spielt in der zutiefst realistischen Welt eines Mädchens im Vorschulalter, das eine alleinerziehende berufstätige Mutter hat.
an.schläge 6/2003, Helga Pankratz
Im Zusammenspiel von Bild und Text ist eine kluge und manchmal provokante Geschichte über die Identitätsfindung eines Mädchens entstanden, dessen fantastische Gedankenspielereien ihm gewissermassen beim Abheben aus der Realität geholfen haben.
Laudatio zum Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2003, Silke Rabus
Im raffiniert verzahnten Dialogstil lässt Lilly Axster die beiden Erzählebenen - einsame Kinderrealität in der Wohnung und wunderliche Märchenwelt in Johannas Phantasie - zunächst parallel laufen, um sie abschliessend zu einer eigenständigen Märcheninterpretation zu verschmelzen.
Laudatio zum Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2003, Silke Rabus
«Wenn ich gross bin, will ich FRAUlenzen» ist eigentlich kein Buch im herkömmlichen Sinn, sondern viel eher ein wagemutiges, ein sperriges Experiment, das ursprünglich für die Bühne geschrieben wurde.
Laudatio zum Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2003, Silke Rabus
Laudatio Kinder- und Jugendliteraturpreis der Stadt Wien 2003 / Silke Rabus
Empirie Verlag / Handzettel 2003
an.schläge / Nr.6 2003 / Helga Pankratz
(sic!) / Offener Brief von Lilly Axster und Christine Aebi / Mai 2004
KiKu / Juni 2004 / Heinz Wagner
lambdanachrichten / Nr.2 2003 / Helga Pankratz
