
Jenny feiert ihren Geburtstag das erste Mal seit seinem Auszug bei Max, ihrem Vater. Unter aller Ausgelassenheit liegt die Angst von beiden vor Veränderungen und Verlust. «Du bist gar kein echter Vater, dich gibt es nur auf dem Papier», wirft Jenny dem zerknitterten Max vor. Ein behutsames Aufeinanderzugehen, Humor und Offenheit machen es schließlich möglich, dass Jenny ihren Vater wieder glatt bügelt und ein besonderer Tag feierlich zu Ende geht.
EfEU Rundbrief, Juni 2006
«Jenny, sieben» beruht auf dem 1999 uraufgeführten, von Lilly Axster verfassten und inszenierten Theaterstück «Tochtertag», zu dem Christine Aebi Bühnenbild und Kostüm gestaltete.
«Jenny, sieben»
Illustration: Christine Aebi
Text: Lilly Axter
Typografie: Aleka Zichy
Druckerei: HART PRESS
Verlag: dea-publishing, Gumpoldskirchen - Wien, 2005
ISBN: 3-901867-25-2
Format: 21x29,7 cm
44 Seiten, Hardcover














«Papa, kann ich mir zum Geburtstag etwas wünschen?» Jenny sagt fast nie Papa. Aber jetzt. «Ich wünsche mir, dass wir alle zusammen feiern. Dann bist du nicht alleine und Mami auch nicht. Ich kann ja nicht überall gleichzeitig sein.» Jennys Stimme überschlägt sich fast.
Max sucht die richtigen Worte: «Ich habe mir Sorgen gemacht, dass du nicht kommen wirst. Ich dachte, vielleicht verstehst du mich nicht. Vielleicht willst du gar nicht bei mir Geburtstag feiern.»


«Max?», fragt Jenny vorsichtig.
«Weisst du, dass es Väter gibt, über die man gar nichts Genaues weiss? Wieso weiss man über die nichts Genaues?» Max muss nachdenken: «Weil sie sich nie blicken lassen vielleicht oder nur arbeiten. Oder nicht mit ihren Kindern reden. Oder nichts sagen, wenn sie reden. Oder nichts zeigen von sich und dann ein Geheimnis draus machen.»





In diesem lebendigen Kinderbuch wird nicht nur die traditionelle Geschlechterkonstruktion auf den Kopf gestellt, sondern auch die Positionen innerhalb der Familie hinterfragt.
Die Tragweite der gegenseitigen Verletzungen wird in der grafischen Umsetzung Christine Aebis deutlich: Da ist der Vater zerknittert und flach wie Papier und muss von der Tochter glattgebügelt werden, da wird Zerrissenes mit Klebestreifen wieder zusammengefügt – und so letzten Endes eine Verständigung und ein gelungenes Geburtstagsfest doch noch möglich.
STUBE, Kathrin Wexberg, Februar 2006
Im Zentrum steht die neue Vaterrolle, die einen anderen Stellenwert bekommt: Den Sorgen und Nöten des Kindes, das mit den Schuldgefühlen, zu spät gekommen zu sein und somit die Trennung der Eltern nicht verhindert zu haben, kämpft, wird die Offenheit des Vaters gegenübergestellt, der ebenfalls von Ängsten geplagt wird, sein Kind könnte sich von ihm abwenden.
Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2006, Pressemappe LeseFest
